“Die Vorleser” – Die neue Büchersendung im ZDF
| Auf die neue Literatursendung im ZDF war ich wirklich gespannt. Nach dem ganzen Presserummel zwischen Elke Heidenreich und dem ZDF habe ich mich darauf gefreut, dass das ZDF die Chance nutzt, eine neue Büchersendung zu etablieren. Insbesondere von Amelie Fried habe ich mir interessante, persönliche Lesetipps erhofft.
Nach der Premiere frage ich mich nun allerdings, was ich mir eigentlich erwartet habe. Auf jeden Fall etwas anderes, etwas neues. Eine Sendung, die unterhaltsam neue Bücher präsentiert und Moderatoren, die ihre persönlichen Empfehlungen glaubhaft vorstellen. „Die Vorleser“ (den Titel muss man ja nicht mögen) ist aber leider eine typische „öffentlich-rechtliche“ Sendung geworden, in der man das Thema „Bücher“ ohne weiteres gegen ein x-beliebiges anderes Thema austauschen könnte. Warum hat das ZDF nicht ein bisschen mehr am Format experimentiert? Warum hat die Redaktion den Moderatoren nicht mehr Freiraum gelassen? Das Ganze sollte schließlich interessierte Leser unterhalten. Und das hat es leider nicht. Die 30 Minuten waren zäh, stellenweise langweilig und ich habe von Buch zu Buch gehofft, dass da noch „irgendetwas“ kommt. Die Idee, ein Moderatorenduo durch die Sendung führen zu lassen, finde ich grundsätzlich toll. Amelie Fried hatte das mit Giovanni di Lorenzo in der Talkshow “3 nach 9″ immer unterhaltsam bewiesen. Zwischen den beiden stimmt die „Moderatoren-Chemie“. In der ersten „Vorleser“-Sendung hat die Chemie zwischen Ijoma Mangold und Amelie Fried (noch?) nicht gestimmt. Ich bin gespannt, ob die beiden im Laufe der Sendungen „zusammenwachsen“ werden. Amelie Fried war ungewöhnlich steif und bemüht, überhaupt nicht locker und sympathisch unterhaltend, wie man sie sonst aus dem Fernsehen kennt. Ihre Buchempfehlungen wirkten aufgesetzt und ohne persönliche Emotionen. Und das erwartet man als Leser in so einer Sendung: klare persönliche Lesetipps. Wahrscheinlich war sie einfach nur nervös. Auf jeden Fall kann sie das besser, das weiß ich. |
Ijoma Mangold kam dagegen ein wenig entspannter rüber. Seine Buchbeurteilungen waren authentischer, allerdings häufig mit einer bedeutungsschwer gekräuselten Miene vorgetragen. Die teilweise sehr einstudiert wirkenden Diskussionen zwischen den beiden Moderatoren haben da auch nicht weitergeholfen. Am Ende habe ich mich mehrmals gefragt: Ist das Buch jetzt gut oder nicht? Soll ich es lesen oder lieber doch nicht? Vielleicht liegt es aber auch nur an dem Korsett des Sendungsformates, in das die Moderatoren vom ZDF „reingequetscht“ wurden.
Gänzlich unverständlich fand ich die Einspieler in der Sendung. Kann mir bitte jemand erklären, was der Trailer „Familie in der Literatur oder Literatur in der Familie“ sollte? Es ist ja nun nichts neues, dass immer weniger Menschen lesen und dass Leseförderung in der Familie wichtig ist. Statt des Einspielers hätte man dem Gast Walter Sittler doch lieber etwas mehr Zeit für seinen Lesetipp einräumen können. Hier hätte man sich allerdings auch den „Gast-Vorstellungstrailer“ sparen können. Das erinnerte doch stark an die Werbetrailer für ZDF-Sendungen (einmal Traumschiff und zurück). Ich hoffe, dass das ZDF am Format der Vorleser noch einiges ändern wird und vor allem den Moderatoren mehr Raum und Freiheit gibt, so dass die beiden ihre Lesetipps persönlicher und klarer vorstellen können. Einen Lesetipp habe ich aber doch aus der Sendung mitgenommen: Weiße Geister von Alice Greenway hat sich interessant angehört. Das Buch werde ich mir für den Sommerurlaub kaufen und dann gespannt auf die nächste Ausgabe der „Vorleser“ warten. |
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